Donnerstag, 19. September 2013

Topaktueller Text vom 18.9.2013: "Der Landser" kapituliert


Pressemitteilung: „Die Geschäftsleitung der Bauer Media Group hat die rechtliche Prüfung zum Anlass genommen, die Publikation hinsichtlich der Portfoliostrategie des Unternehmens zu bewerten und entschieden, die Reihe nicht fortzuführen.“

Der Landser gibt auf. Am Freitag, den 13., gab er seine Kapitulation bekannt. Die Bauer-Media-Group stellt das Erscheinen des Groschenheftes mit Kriegsabenteuern nach 57 Jahren ein. Nach dem „Endkampf in den Alpen“, so der Titel der aktuellen Ausgabe, wird nicht mehr viel kommen. Und wer ist Schuld? Die Juden. Irgendwie. Dabei kommen sie in den „Erlebnisberichten zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges“, so der Untertitel der Publikation, überhaupt nicht vor. „Eben!“, sagt das Simon Wiesenthal Center. Die NGO hatte Mitte des Jahres eine Studie in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kam, „dass durch die Präsentation von Mitgliedern der Waffen SS und der berüchtigten Totenkopf-Einheit und anderer Nazi-Kriegsverbrecher als deutsche Helden, 'Der Landser' die Erinnerung an den Holocaust entweiht und den Nationalsozialismus verherrlicht", was in Deutschland natürlich verboten ist. Die Bauer-Media-Group ließ verlauten, man nehme die Vorwürfe ernst und gab ihrerseits ein Rechtsgutachten in Auftrag, dieses kam zu dem Schluss, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, dass 'Der Landser' im Einklang mit den in Deutschland geltenden strengen Gesetzen steht, und darin weder der Nationalsozialismus verherrlicht noch verharmlost wird.“ Also, die einen sagen so, die anderen sagen so, wie es in Köln heißt. Ich sage mal so: Einer der ersten Autoren der Reihe hatte sein Handwerk noch beim „Völkischen Beobachter“ gelernt, andere in den Propaganda-Kompanien. Zum Teil schrieben Autoren die Landserhefte voll, die zeitgleich in der „Deutschen Nationalzeitung“ oder anderen rechtsextremen Blättern veröffentlichten. Logisch, wer sonst sollte ein Interesse daran haben, die Legende des tapferen aufrechten deutschen Soldaten weiterzustricken und in jeder Ausgabe den Ritterkreuzträger der Woche vorzustellen?
Jedes Heft enthält folgenden Hinweis „Der Landser jedoch vermittelt Details aus der Sicht der Frontsoldaten; er gibt einen Einblick in die endlose Sklala der Schrecken und menschlichen Tragödien, die jeder Krieg mit sich bringt. Dadurch formt sich seine stumme Anklage gegen den Krieg schlechthin.“ Um diese eigentlich pazifistische Botschaft zu unterstreichen, erhielt jeder Abonnent als Dankeschön ein Modell des deutschen Flakpanzers Wirbelwind im Maßstab 1:32. Und, was heißt hier stumme Anklage: Wäre sie nur stumm, die Anklage, der Welt wäre einiges an verschwurbeltem Nazischund erspart geblieben. In „Kampf auf Kreta“ wird das Leid des deutschen Landser so beschrieben: „Bei jeder Kopfbewegung scheuert das Tuch des Kragens gegen die Haut und verursacht einen brennneden Schmerz. Der salzige Schweiß frißt sich in der Schürfwunde fest und steigert den Schmerz zur Pein.“ Ja, wenn Uniform schubbert, da wird schon mal Schmerz zur Pein. Dieser verfluchte Krieg! Aber, liebe Landser-Leser, ich kann Euch verraten wie die ganze Geschichte ausging: Die anderen haben gewonnen und der Weichspüler wurde erfunden.

Donnerstag, 11. April 2013

70 Jahre und kein bisschen weise: Der kleine Prinz (Topaktueller Text vom 10.4.2013)

Am sechsten April 1943, also ziemlich genau vor 70 Jahren erschien das Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Es ist heute eines der meist gelesenen Bücher der Welt. Der Inhalt: Ein niedlich gemalter Junge hält einen in der Wüste abgestürzten Piloten durch die Absonderung von Poesiealbumsweisheiten davon ab sein Flugzeug zu reparieren. Außerdem geht es um Freundschaft und darum, dass Erwachsene nicht in der Lage seien, das Wesentliche zu erkennen. Kinder aber schon. Diesen Umstand versucht der Autor anhand der Tatsache zu belegen, dass die Erwachsenen als er ein Kind war, eine Zeichnung von ihm nicht erkannten. Sie sahen einen Hut, es sollte aber eine Schlange, die einen Elefanten verdaut darstellen. Das talentlose Gekrakel sah aber leider aus wie ein Hut. Kinder können halt nicht besonders gut malen, Legionen von Kühlschranktüren geben Zeugnis davon. Der Erzähler aber ist sofort beleidigt und gibt das Malen auf. Der Autor selber leider nicht, er illustrierte sein Buch selber und zwar in süßlichster Weise. Der kleine Prinz ist stilistisch ein Vorgängermodell von Prinzessin Lillifee und außerdem ein äußerst geschwätziges Kind und ein veritabler Lügner. Der Planet von dem er stamme sei nicht größer als ein Haus, behauptet er, so ein Steinchen genügt aber niemals der Planetendefinition der International Astronomical Union, die ja 2006 sogar den guten alten Pluto runtergestuft hat, noch wäre es in der Lage genügend Gravitation geschweige denn eine Atmosphäre zu erzeugen, dass der Prinz und seine nervtötende Rose in die er verliebt ist dort überleben könnten. Aber es ist ja ein Märchen, und Phantasie ist ja was ganz, ganz Tolles, also lassen wir das mal durchgehen und schauen, was uns das schmale Büchlein ansonsten inhaltlich mit auf den Weg gibt. Eines der berühmtesten Zitate stammt von einem Fuchs und lautet: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Der gute alte Konflikt zwischen Gefühl und Ratio und irgendwie scheint sich die Welt darauf geeinigt zu haben: Gefühle sind die Guten. Das ist Möchtegern-Tiefsinn für denkfaule Hippies und Esoteriker, kein Wunder, dass die Bhagwan-Jünger ihre Kölner Diskothek nach dem Rotzlöffel benannt haben. Sollte ich jemals am offenen Herzen operiert werden, möchte ich jedenfalls nicht, dass der Chirurg seine Entscheidungen so aus dem Bauch heraus trifft. Außerdem sind Gefühle belanntermaßen für zahllose Verbrechen verantwortlich, die aus dumpfem Hass begangen werden, das sollte man nicht vergessen. Der neunmalkluge Fuchs sagt aber auch: "Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse." Wow, was für eine Erkenntnis! Und wie lautet die Lösung? Soll man sich anschweigen und so vor sich hinfühlen, ist das das Leben das Saint-Exupéry uns vorschlägt: Leben wie die Tiere. Und als sei das nicht evolutionärer Rückschritt genug kann man dann noch eine sexuelle Beziehung mit einer Rose anstreben. Danke für den Tipp. Damit man das Buch aber für besonders tiefsinnig halten kann, enthält es Stellen, die absolut unverständlich sind. Beispiel: Der kleine Prinz trifft einen Weichensteller, der die Schnellzüge bald hier bald dorthin fahren lässt und es entspinnt sich folgender Dialog:



»Wohin wollen sie?«

»Der Mann von der Lokomotive weiß es selbst nicht«,
sagte der Weichensteller.
»Das wechselt.«
»Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?«
»Man ist nicht zufrieden dort, wo man ist«, sagte der
Weichensteller.
Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden
Schnellzuges vorbei.
»Verfolgen diese die ersten Reisenden?«, fragte der kleine
Prinz.
»Sie verfolgen gar nichts«, sagte der Weichensteller.
»Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch. Nur die
Kinder drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben.«
»Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen«, sagte der
kleine Prinz.
»Sie wenden ihre Zeit an eine Puppe aus Stoff-Fetzen, und
die Puppe wird ihnen sehr wertvoll, und wenn man sie
ihnen wegnimmt, weinen sie ...«
»Sie haben es gut«, sagte der Weichensteller.



So. Mal abgesehen davon, dass Lokomotivführer ihr Ziel immer kennen: Wieso wissen die Kinder, wohin sie wollen und wo wird das hier erklärt? Es ist eine unbelegte Behauptung, der Ideologie entsprungen, Kinder seien die besseren Menschen. Das einzige, was man hier lernt, die einzige Aussage, die hier Hand und Fuß hat lautet: Wenn man Kinder zum Heulen bringen will, muss man ihnen die Puppe wegnehmen. Das wusste ich aber auch schon vorher, ich habe schließlich Erzieher gelernt. Ansonsten: Wenn man will, dass Kinder verblöden und einen schlechten Literaturgeschmack entwickeln, dann lese man ihnen den kleinen Prinzen vor.

Mittwoch, 27. März 2013

Oster-Geschenk (aber nicht von uns)

Ihr habt euch einen E-Book-Reader ins Osternest gewünscht? Ihr habt noch nix zum Lesen für die Ostertage? Wir empfehlen herzlich dieses tolle kostenlose Angebot vom ebenso tollen Verlag Voland & Quist: Lesebühnen-eBook
Natürlich lohnt es sich auch, dort im Shop weiter zu stöbern. Und wenn ihr im Anschluss Lust auf Lesebühne habt: Wir sind wieder für euch da am 10. April! 
Eure "Gudruns" wünschen fröhliche Ostertage!

Umzug

Wir sind umgezogen. Aber nur innerhalb von facebook. Statt der Gruppe beizutreten, wenn ihr auch auf facebook nichts von uns verpassen wollt, könnt ihr nun auch die Seite "Ein Abend namens Gudrun" mögen. Da können wir einfacher auf kommende Veranstaltungen hinweisen. Blindgedichte sind auch dort zu finden und Fotos natürlich undundund. Auf jeden Fall etwas mehr als hier. Schaut doch mal drauf, wenn ihr mögt.

Samstag, 16. Februar 2013

Topaktueller Text vom 13.2. 2013 (Radio Edit)

Wir erinnern uns. Es gab mal einen Kardinal, der hieß Ratzinger und kam aus Bayern. Er war ein schlimmer Reaktionär, einfache Zielscheibe für sozialdemokratische Kabarettisten und liberale Kommentatoren, man konnte ihn Betonkopf schimpfen oder verknöcherten Konservativen. Er lehnte die Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, betrieb den Ausstieg der katholischen Kirche aus der Schwangerschaftskonfliktberatung, verweigerte Geschiedenen die Teilnahme am Abendmahl oder kämpfte sogar gegen das Frauendiakonat. Um nur einige Beispiele zu nennen. Ratzinger galt allgemein als homophober, frauenfeindlicher, extrem rückständiger katholischer Titelträger. Dann wurden wir Papst, Ratzinger benannte sich um in Benedetto und die Jugend der Welt skandierte beim Weltjugendtag in Köln ekstatisch seinen Namen. Benedetto nun war ein sanftmütiger und bescheidener Intellektueller, dem der Trubel um seine Person eher unangenehm war. Einer, der seine Herkunft nicht vergessen hat, irgendein unsympathisches Kaff in Bayern. Ein großer Theologe. Ein bedeutender Deutscher. Autor analytischer Schriften und einer Jesus-Biografie. In seiner Amtszeit rehabilitierte er einen Holocaustleugner und näherte sich eher der russisch-orthodoxen Kirche an, als den schwulen Evangelen. Wenn er nach seinem Rücktritt der Welt noch etwas geben will, dann sollte er sich endlich outen, aber das ist wohl nicht zu erwarten. 
Wir erinnern uns, es gab mal einen Sänger, der Zielscheibe von allerlei Spott und Schabernack war. Otto Waalkes machte sich in einem Zombie-Sketch über ihn lustig, ein Typ aus dem Umfeld der Toten Hosen parodierte ihn. Er gehörte in die Welt der Spießbürger, der Lodenmantelträger, Blockwarte und Dackelbesitzer. Leute, die in den frühen Siebzigern jeden Gammler ins Arbeitslager schicken wollten. Im gesegneten Alter von 73 Jahren nimmt er ein Cover-Album auf, seine PR-Abteilung erfindet einen Rockerkrieg gegen ihn, brav sekundiert von der Bildzeitung. Zack, führt er die Download-Charts an. Ähnlich wie beim Dschungelcamp versucht das Feuilleton eine lässige und interessante Haltung dazu zu finden. Tatsächlich stimmt es ja, das Heino das „Haus am See“ von Peter Fox als kleinbürgerliche Fantasie entlarvt, aber nur aus Versehen. Genau wie er nicht weiß, welchen Schauer es mir über den Rücken jagt, wenn er in „Junge“ von den Ärzten „Festanstellung“ singt. Festanstellung. 
Es ist aber immer noch derselbe Heino, dessen Aufnahme aller Strophen des Deutschlandliedes im einschlägigen Nazi-Zubehör-Versandhandel zu finden ist. Der gesagt hat, er würde auch bei der NPD auftreten. Der das Landserlied vom Polenmädchen singt, mit dem einzigen Unterschied, dass in seiner Version das Mädchen überlebt. Und jetzt erzählt er in einem Interview er wäre hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund. Und immer hat er nichts gewusst oder wurde überlistet oder irgendwie von bösen Sozis "in die rechte Ecke gestellt." Vielleicht stimmt es, dass er das echt alles nicht weiß. Dass das Nazis sind in der NPD; wo der Spruch mit dem Kruppstahl herkommt; warum es, sagen wir mal, einem Demokraten eher nicht so gut zu Gesicht steht „Deutschland, Deutschland über alles“ zu singen. Dass er womöglich blöd ist, macht ihn aber doch jetzt nicht auf einmal cool. Weil er sich eine Lederjacke anzieht und Sportfreunde Stiller singt. Das macht ja nicht mal die Sportfreunde Stiller cool.    
Um es mit Wiglaf Droste zu sagen: Schon seltsam, wie leicht man vergisst, dass alles was man tut, für immer ist. 
Oder sagen wir es mit Django:
Gott vergibt, Django und ich vergeben nie: Heino nicht und erst recht dem Papst nicht.

Dienstag, 15. Januar 2013

Termine, Termine (2013)

"Ein Abend namens Gudrun" ist traditionsbewusst UND allem Neuen aufgeschlossen.
Wir ändern etwas, und zwar gehen wir zurück auf den "alten" Termin, den dritten Mittwoch im Monat. Dies machen wir ab März. Und da bleiben wir dann, natürlich nicht im März stecken, aber in der wohngemeinschaft. Immer am dritten Mittwoch. Jedenfalls meistens. Außer im April und im Juni. 

Also, es ist urst einfach: Wir treffen uns im Februar am Aschermittwoch, also am 13.2,.dann am 20. März, am 10. April, am 15. Mai, am 19. Juni, am 12. Juli, am 21. August, am 18. September, am 16. Oktober, am 20. November und am 18. Dezember.

Serviceabsatz: Sie können diesen Beitrag durch Klicken auf die Überschrift auch einzeln aufrufen (ohne den Krempel da drunter) und dann bequem ausdrucken, um ihn in Ihren analogen Kalender zu legen.
Falls Sie keinen Ihrer Bekannten damit beeindrucken können, alle "Ein Abend namens Gudrun"-Termine griffbereit zu haben oder gar auswendig zu wissen, versuchen Sie's mal hiermit:
2013 ist seit 1987 übrigens die erste Jahreszahl, in der keine Ziffer doppelt vorkommt.
Na? Funktioniert?

Ihre Lieblingslesebühne und Gudrun wünschen ein gesundes und fröhliches Jahr!
Wir freuen uns auf Sie!