Donnerstag, 11. April 2013

70 Jahre und kein bisschen weise: Der kleine Prinz (Topaktueller Text vom 10.4.2013)

Am sechsten April 1943, also ziemlich genau vor 70 Jahren erschien das Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. Es ist heute eines der meist gelesenen Bücher der Welt. Der Inhalt: Ein niedlich gemalter Junge hält einen in der Wüste abgestürzten Piloten durch die Absonderung von Poesiealbumsweisheiten davon ab sein Flugzeug zu reparieren. Außerdem geht es um Freundschaft und darum, dass Erwachsene nicht in der Lage seien, das Wesentliche zu erkennen. Kinder aber schon. Diesen Umstand versucht der Autor anhand der Tatsache zu belegen, dass die Erwachsenen als er ein Kind war, eine Zeichnung von ihm nicht erkannten. Sie sahen einen Hut, es sollte aber eine Schlange, die einen Elefanten verdaut darstellen. Das talentlose Gekrakel sah aber leider aus wie ein Hut. Kinder können halt nicht besonders gut malen, Legionen von Kühlschranktüren geben Zeugnis davon. Der Erzähler aber ist sofort beleidigt und gibt das Malen auf. Der Autor selber leider nicht, er illustrierte sein Buch selber und zwar in süßlichster Weise. Der kleine Prinz ist stilistisch ein Vorgängermodell von Prinzessin Lillifee und außerdem ein äußerst geschwätziges Kind und ein veritabler Lügner. Der Planet von dem er stamme sei nicht größer als ein Haus, behauptet er, so ein Steinchen genügt aber niemals der Planetendefinition der International Astronomical Union, die ja 2006 sogar den guten alten Pluto runtergestuft hat, noch wäre es in der Lage genügend Gravitation geschweige denn eine Atmosphäre zu erzeugen, dass der Prinz und seine nervtötende Rose in die er verliebt ist dort überleben könnten. Aber es ist ja ein Märchen, und Phantasie ist ja was ganz, ganz Tolles, also lassen wir das mal durchgehen und schauen, was uns das schmale Büchlein ansonsten inhaltlich mit auf den Weg gibt. Eines der berühmtesten Zitate stammt von einem Fuchs und lautet: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Der gute alte Konflikt zwischen Gefühl und Ratio und irgendwie scheint sich die Welt darauf geeinigt zu haben: Gefühle sind die Guten. Das ist Möchtegern-Tiefsinn für denkfaule Hippies und Esoteriker, kein Wunder, dass die Bhagwan-Jünger ihre Kölner Diskothek nach dem Rotzlöffel benannt haben. Sollte ich jemals am offenen Herzen operiert werden, möchte ich jedenfalls nicht, dass der Chirurg seine Entscheidungen so aus dem Bauch heraus trifft. Außerdem sind Gefühle belanntermaßen für zahllose Verbrechen verantwortlich, die aus dumpfem Hass begangen werden, das sollte man nicht vergessen. Der neunmalkluge Fuchs sagt aber auch: "Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse." Wow, was für eine Erkenntnis! Und wie lautet die Lösung? Soll man sich anschweigen und so vor sich hinfühlen, ist das das Leben das Saint-Exupéry uns vorschlägt: Leben wie die Tiere. Und als sei das nicht evolutionärer Rückschritt genug kann man dann noch eine sexuelle Beziehung mit einer Rose anstreben. Danke für den Tipp. Damit man das Buch aber für besonders tiefsinnig halten kann, enthält es Stellen, die absolut unverständlich sind. Beispiel: Der kleine Prinz trifft einen Weichensteller, der die Schnellzüge bald hier bald dorthin fahren lässt und es entspinnt sich folgender Dialog:



»Wohin wollen sie?«

»Der Mann von der Lokomotive weiß es selbst nicht«,
sagte der Weichensteller.
»Das wechselt.«
»Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?«
»Man ist nicht zufrieden dort, wo man ist«, sagte der
Weichensteller.
Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden
Schnellzuges vorbei.
»Verfolgen diese die ersten Reisenden?«, fragte der kleine
Prinz.
»Sie verfolgen gar nichts«, sagte der Weichensteller.
»Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch. Nur die
Kinder drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben.«
»Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen«, sagte der
kleine Prinz.
»Sie wenden ihre Zeit an eine Puppe aus Stoff-Fetzen, und
die Puppe wird ihnen sehr wertvoll, und wenn man sie
ihnen wegnimmt, weinen sie ...«
»Sie haben es gut«, sagte der Weichensteller.



So. Mal abgesehen davon, dass Lokomotivführer ihr Ziel immer kennen: Wieso wissen die Kinder, wohin sie wollen und wo wird das hier erklärt? Es ist eine unbelegte Behauptung, der Ideologie entsprungen, Kinder seien die besseren Menschen. Das einzige, was man hier lernt, die einzige Aussage, die hier Hand und Fuß hat lautet: Wenn man Kinder zum Heulen bringen will, muss man ihnen die Puppe wegnehmen. Das wusste ich aber auch schon vorher, ich habe schließlich Erzieher gelernt. Ansonsten: Wenn man will, dass Kinder verblöden und einen schlechten Literaturgeschmack entwickeln, dann lese man ihnen den kleinen Prinzen vor.

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